Gesundheitsvollmacht

Mit der Gesundheitsvollmacht beauftragen Sie eine Person Ihres Vertrauens, medizinische und pflegerische Entscheidungen für Sie zu treffen, falls Sie durch Krankheit, Unfall oder Alter nicht mehr selbst entscheiden können. 

Ratgeber zur Gesundheitsvollmacht

Die Gesundheitsvollmacht soll sicherstellen, dass Ihre Behandlung im Krankenhaus optimal und ohne unnötige zeitliche Verzögerungen nach Ihren Vorstellungen und Vorgaben erfolgen kann. 

Vor einer ärztlichen Behandlung oder einem operativen Eingriff im Krankenhaus bespricht der Arzt mit Ihnen den Nutzen und das Behandlungsziel, klärt Sie über mögliche Risiken und Behandlungsverläufe auf und holt dazu Ihre Einwilligung ein (Aufklärungsgespräch). Soweit Ihre Einwilligung reicht, können die behandelnden Ärzte die besprochenen Maßnahmen durchführen, auch wenn Sie zwischenzeitlich nicht mehr einwilligungsfähig sein sollten, z.B. während und nach einer Operation unter Vollnarkose.  

Auch bei bester Vorbereitung und Aufklärung kann es zu unerwarteten Ereignissen kommen, die Behandlungsmaßnahmen erfordern, in die Sie nicht zuvor eingewilligt haben. Dann kann eine Gesundheitsvollmacht wertvolle Dienste leisten, weil Ihr Bevollmächtigter an Ihrer Stelle die erforderlichen Entscheidungen treffen kann. 

Was ist eine Gesundheitsvollmacht und welche Funktion hat sie?

Mit der Gesundheitsvollmacht beauftragen Sie eine Person Ihres Vertrauens, medizinische und pflegerische Entscheidungen für Sie zu treffen, falls Sie durch Krankheit, Unfall oder Alter nicht mehr selbst entscheiden können.  

Der Arzt darf auch aus seiner Sicht erforderliche und sinnvolle medizinische Maßnahmen nur mit Ihrer Einwilligung vornehmen. Werden im Verlauf einer medizinischen Behandlung Maßnahmen erforderlich, zu denen Sie vorab keine Einwilligung erteilt haben oder können Sie selbst nicht mehr einwilligen, muss der Arzt diese Einwilligung von einem befugten Vertreter einholen. Entgegen einer weitverbreiteten Annahme kann ein volljähriger Erwachsener nicht automatisch von seinen Angehörigen, auch nicht von engsten Familienangehörigen, rechtlich vertreten werden.  

Ohne Gesundheitsvollmacht muss deshalb zunächst über das Betreuungsgericht ein „gesetzlicher Betreuer“ ernannt werden. Dieses Verfahren ist organisatorisch und zeitlich aufwändig und verursacht darüber hinaus Kosten. Es besteht zudem die Gefahr, dass Ihnen durch die Verzögerung in der Weiterbehandlung ein gesundheitlicher Schaden entsteht, zumindest jedoch die nach ärztlicher Sicht optimale Behandlung nur mit zeitlicher Verzögerung erfolgen kann. Denken Sie auch daran, dass der kurzfristig vom Gericht bestellte Betreuer nicht so gut mit Ihren Wünschen und Vorstellungen vertraut ist und es deshalb schwierig für ihn sein kann, die bestmöglichen Entscheidungen in Ihrem Sinne zu treffen.  

Diese Probleme lassen sich ganz einfach vermeiden, indem Sie vorab eine Gesundheitsvollmacht ausstellen und der Bevollmächtigte sofort an Ihrer Stelle entscheiden kann. 

Was darf der Gesundheitsbevollmächtigte?

Der Bevollmächtigte entscheidet ausschließlich aufgrund Ihres vorab erklärten oder mutmaßlichen Willens und nur im Rahmen der ihm erteilten Gesundheitsvollmacht. Die Gesundheitsvollmacht beschränkt seine Rechte auf Handlungen und Entscheidungen, die im unmittelbaren Zusammenhang mit der medizinischen Behandlung stehen.  

Er darf nur handeln, wenn Sie es nicht mehr können. In jedem Fall geht Ihre persönliche Entscheidung vor, solange Sie geschäftsfähig bzw. einwilligungsfähig sind. Der Arzt wird immer zunächst versuchen, von Ihnen selbst die Einwilligung in die geplante Maßnahme einzuholen. Ihr Wille hat immer Vorrang, auch wenn Sie eine Gesundheitsvollmacht erteilt haben. Er ist auch dann zu beachten, wenn er sich nicht mit den aus ärztlicher Sicht gebotenen Diagnose- und Therapiemaßnahmen deckt. 

Wen kann ich als Gesundheitsbevollmächtigten einsetzen?

Als Gesundheitsbevollmächtigten sollten Sie eine volljährige Person auswählen, die die notwendige Kraft und Bereitschaft hat, sich für Ihre Belange einzusetzen und diese notfalls auch gegen den Willen anderer durchzusetzen. Sie sollten dieser Person uneingeschränktes Vertrauen entgegenbringen. Damit sie Ihre Interessen auch in bestmöglicher Weise vertreten kann, sollten Sie mit ihr über Ihre Überzeugungen, Wertvorstellungen und Wünsche im Zusammenhang mit Krankheit und Pflegebedürftigkeit ausführlich sprechen. Nur dann ist ein Bevollmächtigter in der Lage, eine angemessene Entscheidung an Ihrer Stelle und in Ihrem Sinne zu treffen. Bitte bedenken Sie, dass es keine Verpflichtung gibt, eine Vollmachtstätigkeit zu übernehmen. Besprechen Sie Ihre Absicht deshalb immer zuvor mit der ausgewählten Person und auch mit Ihren Familienangehörigen, damit es nicht zu Missverständnissen und Streit kommen kann. Um sicherzugehen, dass die von Ihnen ausgewählte Person tatsächlich bereit ist, die Vollmachtstätigkeit wahrzunehmen, können Sie die ausgewählte Person bitten, dass sie auf der Vollmacht mitunterschreibt. 

Da auch die bevollmächtigte Person im Ernstfall unvorhergesehen daran gehindert sein kann, die Aufgaben aus der Vollmacht wahrzunehmen, sollten Sie immer einen Ersatzbevollmächtigten benennen. 

Wann sollte eine Gesundheitsvollmacht gelten?

Dazu lassen sich keine pauschalen Ratschläge geben. Es kommt immer auf den Einzelfall an. Grundsätzlich sollte man bei der Erteilung von Vollmachten stets vorsichtig und überlegt handeln. Denn rein theoretisch lässt sich der Missbrauch einer Vollmacht nicht völlig ausschließen. Oberstes Gebot ist daher die sorgfältige Auswahl einer vertrauenswürdigen Person. Zusätzlich kann man die Vollmacht zeitlich in Ihrer Wirksamkeit beschränken. Besprechen Sie mit den behandelnden Ärzten bei geplanten Behandlungsmaßnahmen oder operativen Eingriffen vorab die Risiken und die voraussichtliche Behandlungsdauer und beschränken Sie die Geltungsdauer der Vollmacht entsprechend.  

Sie können die Vollmacht auch mit dem Tage des Behandlungsbeginns wirksam werden lassen und keinen konkreten Endtermin bestimmen. Nach Beendigung der Behandlung können Sie die Vollmacht widerrufen und sich die Urkunde wieder vom Bevollmächtigten zurückgeben lassen. 

Sie können natürlich auch eine unbefristete und mit Unterzeichnung wirksame Vollmacht erteilen, wenn Sie möchten, auch für unvorhergesehene Fälle abgesichert zu sein.

Kann man die Gesundheitsvollmacht widerrufen?

Ja, jederzeit. Allerdings nur, solange Sie geschäftsfähig sind. Eine unwiderrufliche Vollmacht sollte nicht erteilt werden, weil es dazu keinen vernünftigen Grund gibt.

Was ist der Unterschied zwischen Gesundheitsvollmacht und Patientenverfügung?

Eine Gesundheitsvollmacht ersetzt nicht die Patientenverfügung. Die Gesundheitsvollmacht ist vor allem für den Fall gedacht, dass es während einer geplanten Behandlung im Krankenhaus zu unerwarteten Komplikationen kommt, die Behandlungsschritte erforderlich machen, denen Sie nach dem Aufklärungsgespräch nicht bereits vorab zugestimmt haben. Konkrete Handlungsanweisungen an den Bevollmächtigten enthält die Gesundheitsvollmacht in der Regel nicht.

Demgegenüber ist die Patientenverfügung nicht auf eine konkrete Behandlungssituation ausgerichtet. Sie soll generell Ihren Willen für zukünftige Behandlungssituationen, die noch nicht konkret absehbar sind, festlegen. Mit der Patientenverfügung wird in der Regel auch der Wille des Patienten im Umgang mit lebensverlängernden medizinischen Maßnahmen und damit seine Wünsche für den eigenen Sterbeprozess dokumentiert.

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